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Kommentar zu: Mon Dieu, Herr Pirincci (bei Susanne Kablitz)

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Quelle. Kommentar hier, da die Kommentarfunktion dort nicht verfügbar ist. Eventuell verschiebe ich ihn verbessert später an einen würdigeren Platz im Netz.

Sendet man ganz brav, diszipliniert sachlich, so ist man für das überwiegend zu gefühlsduselige Gefühlswesen Mensch zu unauffällig, zu trocken, zu weichgespült und erreicht die durch Reizüberflutung abgestumpfte, [un- und/oder unterbewusst] nach aufwühlenden, mitreißenden Wallungen gierende Masse nicht (Och, so ein Langweiler, … gähn …)
Und besonders die staatsnahen, mit GEZ-Erpressungsgeld überfütterten Meinungsmacher tönen bei zu Anderssprechenden das folgende Wort bewusst oder unbewusst falsch auslegend: Kein Charisma, so wird das nie was Und das [Neu-]Volk denkt: Ich weiß zwar nicht genau, was Charisma ist, klingt aber gebildet, wird also stimmen, Typ + Thema abgehakt.

Will und muss man mehr Leute erreichen, aufwecken, abholen, einsammeln, so muss man aufdrehen, kräftiger zulangen, konstruktiv provozieren und polemisieren. Aber damit tauscht man nur das Problem der Unscheinbarkeit gegen ein Minenfeld aus explosiven Fettnäpfchen. Dabei spielt es schon fast keine Rolle mehr, für welche Sprach- und Bildungszielgruppe man seinen Stil optimiert. Schaut man dem Volk auf’s Maul und macht’s schlicht, etwas ordinär bis vulgär, so verprellt man die höheren Bildungsschichten. Packt man für diese den Stoff fein geschliffen zwischen die Zeilen und sendet durch die genießbar mit Sarkasmus-Ironie verzierten Blumen, so kommen viele Menschen nicht mit und fühlen sich ausgegrenzt.

Und der Medien- und Propaganda-Branche entkommt man ebenfalls nie: Stammtischniveau, Populist, [tendenzieller] Problembürger, …
Die Nazikeule ist wie ein Chamäleon, abgenutzte Kampfbegriffe werden von den Sprachverbrennern ständig kreativ ergänzt. Auch subtile Formulierungen etablieren sich erschreckend schnell als irgendwie rechts, also als Nazi-Synonym. Weil der gemeine und gewöhnliche Mensch zum Differenzieren zu faul ist. Oben-Unten, Links-Rechts, Gut-Böse, … das duale System ist so schön schnell und einfach, strukturiert den Tag und man hat schneller wieder Zeit für die wirklich wichtigen Entscheidungen des Lebens: Heute Fußball oder Dschungelcamp oder größere Zweitglotze kaufen?

Wer Sprache (Worte, Vergleiche) im Namen der Verbalgewaltvermeidung verbrennt (tabuisiert, stigmatisiert) übt nicht nur selbst Verbalgewalt aus, sondern will Denken be- und verhindern, die wichtigste Menschenwürde mit der sich der Mensch vom Tier unterscheiden könnte. Und schon sind wir wieder bei einer Differenzierung; aber bei einer, bei der ich mir unsicher bin, ob sie sinnvoll ist: Links- und Rechtsfaschismus.

Und eine fein oder – je nach Geschmacks- beziehungsweise Geschmacklosigkeitsbildung beziehungsweise gefühlslastiger Empfindlichkeit – auch unfein andeutende, umschreibende Sprache vergrößert zwangsläufig die Interpretationsbandbreite. Und da In dubio pro reo mehr auf dem Papier als in der Praxis gilt, geht dann immer wieder das Hauen und Stechen um die Deutungshoheit los: Das war Ironie, muss man aushalten. Nein, war es nicht, muss man und darf man auch im Namen der Toleranz nicht tolerieren, das ist [irgendetwas ganz Schlimmes]. Basta!

Egal wie man’s macht, es ist immer falsch.
Wer sich daran beteiligt Sprechen zu einem Eiertanz zwischen Profianstoßnehmern zu machen, der liebt das verunsichernde, trennende Gegeneinander mehr als das Miteinander, dem geht es nicht um die Sache, auch wenn er noch so sehr die Fahne der Sachlichkeit schwenkt und vor sich herträgt. Diese Menschen sind Täter, also Schädlinge (Wortlegitimation: Wenn man irre Säugetiere, welche lieber zum Mars fliegen, als zuerst die Basisstation zu stabilisieren, nicht oberhalb von Flora und Fauna einordnet, sondern darunter).

Zurück zum Auslöser:
Zusammen mit den Kommentaren liefert RTDeutsch.com hier ein Paradespiel dafür, wie allgemeine Verunsicherung und Spaltung immer wieder gelingt.

Die kleine Gruppe an den Schalthebeln der Macht schafft es ausreichend sich auf eine gemeinsame Sprache und Denke zu einigen und kann deshalb über die große Menge herrschen, die es nicht schafft. Wie kommen wir die nächsten Jahrtausende aus der Nummer raus?

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